Das kleine Sternchen Funkel soll in die Schule gehen.

Doch das will es nicht, und vor allem will es nicht leuchten lernen.

Es quält seine Eltern und Lehrer mit der ständigen

Frage: "Für wen soll ich leuchten?"

Doch darauf hat niemand eine Antwort.

 

Zusammen mit Lissy, einem Energielebewesen, macht

Funkel eine Reise durchs Universum, auf der Suche

nach dem "Goldenen Licht".

Dabei lernt Funkel die Menschen kennen und lieben.

Endlich weiß er, für wen er leuchten soll ...

 

Eine lustige, aber auch sehr tiefe Geschichte, in zehn

Kapiteln, mit einem besonders schönen Ende.

 

(Für Kinder von 8 – 14 Jahren).

 

Funkel

Mit sechs wunderschönen Bildern der Dülkener Malerin

Martina Ebert-Eßer.

 

72 Seiten, kleine Schrift

Funkel
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Diese Bilder sind im Buch enthalten

 

 

Und hier ist eine Leseprobe

 

Es war einmal, in den Weiten des großen Universums, ein kleines Sternchen namens Funkel. Das war noch ganz jung – gerade einmal fünf Millionen Jahre alt. Für Sterne ist das nichts, müsst Ihr wissen; viele von ihnen werden tausendmal so alt.

 

Funkels Vater war Beteigeuze, der berühmte rote Riesenstern im Sternbild Orion. Funkels Mutter nannte ihn einfach nur „Berti“, weil sie seinen komplizierten Namen nicht aussprechen konnte. Funkels Mutter hieß Bellatrix. Sie war ein hellblauer Riesenstern. Berti nannte sie „Bella“.

 

Funkel selbst war hellgelb. (Ihr könnt ihn auf dem Buchumschlag sehen.) Funkel war das einzige Kind von Berti und Bella. Die kleine Sonnenfamilie wohnte im Orionweg, das ist eine Sackgasse gleich neben der Hauptstraße, die wir Menschen die „Milchstraße“ nennen. Von uns aus sind das etwa 500 Lichtjahre – das ist eine ganz schöne Entfernung.

Unsere Geschichte beginnt an Funkels fünftem Geburtstag. Daran erkennt Ihr, dass Sterne nur die Jahrmillionen zählen.

 

„Funkel, aufstehen, dein großer Tag ist da!“

Funkels Mama sandte ihrem Sohn einen besonders starken, blauweißen Lichtstrahl zum Wachwerden. Funkel sah ihn kommen, drehte sich auf die andere Seite und duckte sich. Er lag in einem weichen Nest aus Wolle, die von den Schäfchenwolken des Himmels produziert wird. Das kleine Sternchen hatte keine Lust zum Aufstehen. Das war aber eigentlich sonderbar, denn heute war Funkels Geburtstag.

 

Das Sonnenkind fuhr einen langen Augenstiel aus, ließ ihn vorsichtig durch den eiskalten Weltraum gleiten und zog ihn schnell wieder zurück. Funkel hatte Lissy schon gefunden. Lissy war sein Haustier. Funkel zog es näher heran und steckte sich einen Zipfel von Lissy in den Mund. Lissy war ein Energielebewesen, riesengroß und kuschelig wie eine Schmusedecke, dabei hauchdünn und unzerreißbar. Lissy sah wie ein cremefarbenes Halstuch mit langen Goldfäden darin aus. Weder Funkel noch seine Eltern wussten, wo Lissy eigentlich herkam – sie war ihnen vor kurzem einfach zugeflogen; seitdem gehörte sie zur Familie.

 

„Funkel, es wird Zeit, steh auf du Faulpelz!“

Mamas Stimme wurde drängender, ihr Lichtstrahl heißer. Funkel wusste schon was kam. Beim dritten Mal würde seine Mama einen ganz heißen Strahl schicken, der ihm dann wieder den Hintern verbrannte, genau wie neulich, als Funkel nicht zum HNO-Arzt gehen wollte.

Arzt, das war es!

Dem kleinen Sternchen war die rettende Idee gekommen.

„Ich glaub ich bin krank!“ rief Funkel unsicher zurück, und: „Ich kann heute nicht aufstehen, mir geht’s nicht gut.“

 

Als seine Mama das hörte rollte sie langsam zu Funkel herüber. Da Mama Bellatrix ein Riesenstern war, dauerte das ziemlich lange, etwa 15 Jahre. (Ihr müsst wissen, bei Sternen dauert alles lange, darum können sie von Glück reden, dass sie so alt werden.)

Mama Riesenstern brachte vorsorglich ein Thermometer mit und steckte es Funkel in den Mund. Nach etwa acht Jahren nahm sie es wieder heraus und las es ab.

„5.220 Grad – ganz normal, kein Fieber.“

Die Mama guckte Funkel prüfend an und sagte:

„Ich glaube du hast die Angstkrankheit, kann das sein?!“

Funkel schielte vorsichtig unter Lissy hervor und nickte; und dann schoss plötzlich alles aus ihm heraus.

„Ich will nicht zur Schule gehen – Ich will im Kindergarten bleiben und spielen, in meiner Kometengruppe – Wozu muss ich überhaupt in die Schule gehen? – Im Kindergarten kann ich genauso viel lernen!“

Mama Bellatrix schickte Funkel einen verständnisvollen, warmen Lichtbogen, der seinen gelben Kopf streichelte.

„Aber das haben wir doch alles schon ein paar Mal besprochen, Funkel. Du musst zur Schule gehen, um wichtige Dinge für dein Leben zu lernen – das kann man nicht im Kindergarten. Du willst doch fliegen lernen, oder nicht?“

Funkel nickte zaghaft und stopfte sich vorsichtshalber eine zweite Ecke von Lissy in den Mund. Beruhigt kaute er darauf herum. Das Energielebewesen wehrte sich mit schwachen Stromstößen, aber so etwas machte einem Sonnenkind nichts aus.

„Na siehst du“, sagte Funkels Mama, „und da muss man zum Beispiel wissen, wie man seine Flugbahn berechnet, sonst stößt man mit anderen Himmelskörpern zusammen und das wäre für alle sehr gefährlich. Außerdem sollst du den Aufbau unserer Milchstraße kennenlernen, für den Fall dass du dich mal verirrst und nicht mehr nach Hause findest, oder?“

Funkel nickte wieder, obwohl er noch Zweifel hatte.

„Und schließlich musst du die vielen anderen Lebewesen studieren, die es in unserem Universum gibt: Sonnen und Planeten, Monde, Asteroiden und vor allem die gefräßigen Schwarzen Löcher. Sonst weißt du nie, wer für dich gefährlich ist und wer nicht. – Vor allem aber, Funkel, sollst du doch einmal richtig stark leuchten, oder nicht? Willst du nicht auch ein so großer Stern werden wie Papa?“

Funkel wusste nichts mehr zu erwidern und kaute stärker auf Lissy herum. Er befürchtete, dass seine Mama am Ende wieder einmal Recht behalten würde.

„Na also“, sagte Bellatrix, „und das alles kann man eben nur in der Schule lernen und nicht im Kindergarten.“

Die hellblaue Sternenmama atmete auf; es sah so aus, als ob ihr Sohn es diesmal kapiert hätte.

 

„Ich kann aber schon leuchten“, sagte Funkel. „Ich brauche nicht mehr leuchten lernen.“ Und zum Beweis schickte er einen schwachen Lichtstrahl in den Weltraum, der allerdings schon nach wenigen Kilometern abbrach.

„Na bitte, da haben wir es wieder“, erwiderte Mama Bellatrix sauer. „Leuchten zu lernen heißt das. Und außerdem – das nennst du leuchten?! Dass ich nicht lache! Dein Licht kam ja nicht einmal bis zu den Asteroidenwürmern auf unserem Nachbarmond – und dabei sollen wir das ganze Weltall ausstrahlen!“

„Trotzdem“, erwiderte Funkel (er liebte seinen Kindergarten), „ich bleibe wo ich bin! Auch Lissy will nicht zur Schule gehen, hat sie gesagt.“

„Lissy kann gar nicht sprechen ...“

„Kann sie wohl ...“

„Und selbst wenn – die wird nicht gefragt, hier geht es nur um dich, mein Söhnchen.“

Lissy stemmte sich mit ihren zwei freien Tuchecken gegen Funkels Sonnenkörper, zog sich mit einem lauten ‚Plopp’ wieder frei und bildete im Weltall ein großes Fragezeichen.

Was will Lissy mir damit sagen? wunderte sich das kleine Sternenkind.

 

„Funkel, du sollst doch mal ein großer Stern werden“, fing seine Mama noch einmal an, „berühmt und bewundert im ganzen Universum. Aber dafür musst du leuchten können. Und das lernt man nicht in einem Kindergarten.“

Lissy gestaltete sich ein paar Hundert Kilometer weiter zu einem Ausrufzeichen. Funkel wusste jetzt was das bedeutete: Lissy war auf Seiten seiner Mama.

Das Sternenkind machte aus seiner gelben Sonnenmaterie einen langen Arm, schoss ihn zu Lissy rüber, schnappte sich das Energielebewesen und zog es sich über den Kopf.

„Ich will nicht groß werden“, piepste Funkel unter seiner Energielebewesen-Decke hervor.

Die hellblaue Riesenstern-Mama wurde langsam dunkelblau und sah sich hilfesuchend um.

„Berti, nun sag doch auch mal was; das Kind will einfach nicht zur Schule gehen!“

 

Beteigeuze, der rote Riesenstern, legte seine Zeitung, den Kosmokurier weg, der täglich von einer blitzschnellen Sternschnuppe gebracht wurde, nahm seine Sonnenbrille ab und brummte dröhnend von der gegenüberliegenden Seite des Sonnensystems:

„Ja aber hallo, wer will denn da nicht groß werden?! Ist das nicht meine rechte Hand Funkel, der einmal der größte Superstar der westlichen Milchstraße werden soll?!“

„Berti, hör auf mit deinem Sportblödsinn – Funkel soll zur Schule gehen und nicht Astrobowling spielen lernen!“ fuhr Mama Bellatrix ärgerlich dazwischen.

„Was? Sportblödsinn?!“

Das hätte seine Frau nicht sagen sollen. Nun wurde Papa Beteigeuze aber wütend. Noch dazu, wo er einer der Top-Spieler bei den Saturnringen war. Der rote Riesenstern drehte sich um und schickte ein paar rasende Energieblitze in eine Horde Weltraumigel – schwarze, stinkende Stachelkugeln, die von Raumabfällen lebten und überall herumlungerten.

 

„Also?!“ Bellatrix stemmte ihre Arme in die Seiten und zog die Augenbrauen fragend hoch.

Doch Beteigeuze wusste selbst nicht, was er seinem Sohn sagen sollte. Er war auch nie gerne zur Schule gegangen, hatte nach der dritten Klasse abgebrochen und war Sportler geworden.

„Na gut, Funkel“, brummte Papa Berti schließlich lustlos, „wenn du in die Schule gehst, bekommst du ein großes Geschenk!“

Funkel zog sich Lissy vom Kopf runter und fuhr aus seiner Sonnenoberfläche einen langen Gehörgang zu seinen Eltern hin. (Er war etwa 50.000 km lang). Hatte er da richtig gehört, ein Geschenk? Aufgeregt schaute Funkel von Papa zu Mama.

„Ehrlich?!“

„Das hast du dir jetzt aber leicht gemacht, Berti“, sagte Mama Riesenstern frustriert. „Das hätte ich Funkel auch sagen können!“

„Ja warum hast du es dann nicht? Dir kann man aber auch nichts recht machen!“

Nun war Herr Riesenstern wirklich sauer, legte seine Beine hoch und setzte seine Sonnenbrille wieder auf.

„Weil Funkel begreifen soll, wozu er in die Schule geht und nicht nur geht, damit er ein Geschenk bekommt!“ sagte Bella.

Mama Bellatrix wurde tiefblau und sehr heiß, etwa 20.000 Grad Celsius, wie immer wenn sie kurz vor dem Explodieren war. Herr Riesenstern guckte nicht mehr hin. Er konnte es auf den Tod nicht leiden, wenn seine Frau ihn vor ihrem Sohn ausschimpfte. Außerdem hatte er den Sportteil des Kosmokuriers noch nicht gelesen. Diese Woche kämpften seine Saturnringe gegen die Jupitermonde – es war das Entscheidungsspiel der Saison.

 

Funkel erkannte, dass der letzte Moment gekommen war, um ohne Strafe aus der Sache rauszukommen. Also quälte er sich aus dem Bett, legte sich Lissy über die Schultern und rollte vorsichtig ins Wohnzimmer rüber. Sein ganzes Aufstehen dauerte etwa 70 Jahre.

„Und, krieg ich jetzt mein Geschenk oder habt ihr das nur so gesagt?“ fragte Funkel.

Papa Beteigeuze schaute ihn kurz über die Zeitung hinweg an, bildete einen gewaltigen Energietentakel (das ist ein langer Greifarm wie bei Kraken) und schob damit eine dunkle Wolke kosmischen Staubes weg.

„Traraaa!“

Funkel riss die Augen auf. Das hatte er nicht erwartet! Vor ihm, im luftleeren Weltraum, stand die großartigste Schultüte, die er je gesehen hatte. Und wie sie leuchtete vor dem blauschwarzen Hintergrund! Hellblau war sie, wie der klare Himmel, mit einem breiten goldbraunen Rand ganz oben; gelb-rot-grüne Blümchen verzauberten sie wie eine Blumenwiese; und vor und hinter ihr blinkten – an und aus – silberne und goldene Sterne, Halbmonde und Kometen.

„Stern!“

Funkel war ehrlich begeistert. Das war mit Sicherheit die schönste Schultüte im Universum. Und es war seine. Was wohl alles darin war?

 

 

 

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