Naddel ist ein vierjähriger Tannenbaum und wächst auf dem Feld von Bauer Hansen in Kleinkleckersdorf.

Naddels Freund Itschi ist ein Fünfjähriger und freut sich schon so sehr auf Weihnachten, wenn er geerntet wird und bei den Menschen stehen darf.

 

Doch Naddel verkrümelt sich zum Nordpol, wohin er von seinem Freund Frosti, dem Schneemann, zum Winterurlaub eingeladen wurde.

Das war Naddels Glück, denn dadurch entgeht er einer bösen Raupenplage.

 

Naddels Reise ist sehr ereignisreich: Er trifft Frau Holle in ihrem Leuchtturm am Nordpol, den Eisbären Kurt, den Weihnachtsmann und Pinguin Billy.

 

Als er nach zwei Jahren wieder nach Hause kommt, hat sich die Welt sehr verändert.

Denn Naddel ist buchstäblich DER LETZTE TANNENBAUM.

Eine sehr lustiges und abenteuerliches Wintermärchen.

 

(Für Kinder von 8 - 14 Jahren)

 

Tannenbaum

Mit sieben wunderschönen Bildern des Augsburger Schülers

Benni Jensen.

 

72 Seiten, mittelgroße Schrift

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Diese Bilder sind im Buch enthalten

Und hier ist eine Leseprobe

 

Es war einmal ein kleines Dorf, da war die Welt noch ganz in Ordnung. Eine weiße Decke aus frisch gefallenem Schnee lag auf den kuschelig aneinander gedrückten Häusern, der Rauch aus Dutzenden Schornsteinen stieg senkrecht in den blaugrauen Himmel, und irgendwo krähte ein Hahn.

 

Am Himmelszelt funkelten Tausende Sterne und eine einsame Sternschnuppe zog schweigend ihre Bahn. Eine friedliche Stille lag über dem ganzen Ort. Aus einem der Häuser klang ein zaghaftes, aber liebliches

„O Tannenbaum“ aus reiner Kinderkehle.

 

Es war Vorweihnachtszeit und etwa acht Uhr morgens. Bauer Hansen stapfte fröhlich summend über die Durchgangsstraße von Kleinkleckersdorf, die wie in den meisten ähnlichen Dörfern einfach nur Hauptstraße hieß.

In seiner linken Hand hielt er eine Säge, mit der rechten zog er seinen 18jährigen Ackergaul Johann.

„Na komm schon, Alter“, brummte er, „den leeren Ladewagen schaffst du noch. Dafür geht es auf dem Rückweg dann wieder bergab.“

Bauer Hansen musste nicht weit aus dem Dorf hinaus. Nur bis zur zweihundertjährigen Friedenseiche, oben auf der Anhöhe. Dort begannen seine Felder.

 

Bauer Hansen verließ die Hauptstraße und wusste auf einmal nicht mehr wo der Weg war. Das ganze Land war dick zugeschneit, man konnte kaum noch den Unterschied zwischen Weg und Wiesen sehen.

Andererseits freute sich der Bauer aber, durch den unberührten Schnee zu stapfen und darin seine Fußspuren zu hinterlassen. Der 61jährige, pausbäckige Landwirt liebte den Neuschnee. Jeden Morgen, wenn er aus seinem Haus kam, schien es ihm, als wenn er eine neue Welt beträte.

 

Der Bauer atmete tief durch und stieß eine Wolke warmer Luft aus. Es sah aus wie Rauch; tatsächlich aber hatte der Landwirt sein Leben lang noch nie eine Zigarette angerührt.

Zufrieden blickte er über das weiße Land. Im Hintergrund rechts stand dunkel und verschneit sein tiefer Mischwald. Hunderte Fichten, Eichen und Buchen und ein paar Kiefern. Das Morgenlicht war noch nicht bis zu ihnen allen durchgedrungen. Einige Bäume bewegten sich noch müde im Schlaf hin und her.

 

Rechts neben seinem Wald lagen Bauer Hansens Tannenbaumfelder. Er hatte insgesamt drei. Eins mit dreijährigen, eins mit vierjährigen und ein Feld mit fünfjährigen Bäumen.

„Na siehst du, Johann“, sagte der Bauer, als er mit seinem Gaul endlich die Höhe erreicht hatte. „Hast du es wieder einmal geschafft.“

 

Der alte Gaul schnaubte, sein Leib dampfte. Besorgt blickte das Tier sich um.

„So viele Tannenbäume sind nachgewachsen“, kaute Johann mit seinen dicken, haarigen Lippen vor sich hin. „Das sieht wieder nach einer Menge Arbeit aus – oje oje.“

Bauer Hansen hätte sich sehr gewundert, wenn er sein Pferd verstanden hätte; aber ihm schien es nur, als hätte Johann mit den Zähnen geknirscht.

 

Bauer Hansen ließ seinen Blick langsam über die Felder gleiten.

„Süß seht ihr aus“, sagte er zu seinen Tannenbäumen. Sie waren wie mit flüssigem Zucker übergossen. Die größten von ihnen brachten es schon auf anderthalb Meter.

„So, meine Lieben!“

Der Bauer trat auf einen am Rande stehenden Tannenbaum zu und schüttelte ihm den Schnee von der Spitze. Grüne Nadeln kamen darunter zum Vorschein.

„Heute ist ein besonderer Tag. Heute ist der 6. Dezember, und da werden etliche von euch auf die Reise geschickt, damit ihr irgendwo auf der Welt einem netten Menschen Freude bereiten könnt.“

Bauer Hansen liebte seine Bäume und redete mit ihnen, als wenn sie ihn verstehen könnten. Was er aber nicht wusste, war, dass sie ihn tatsächlich verstanden.

 

Dreißig Meter entfernt, am Rande des Feldes der Vierjährigen, stand ein hellgrüner Tannenbaum namens Naddel. Er hatte Bauer Hansens Worte gehört.

„Was ist denn so besonderes am 6. Dezember?“, fragte Naddel seinen Freund Itschi auf der anderen Seite des Feldwegs. Itschi war ein Fünfjähriger und stand Naddel schräg gegenüber.

„Das heißt, es sind kaum noch drei Wochen bis Weihnachten“, sagte Itschi und schüttelte sich den Schlaf aus den Knochen.

„Ja und?“, meinte Naddel.

 

„Weihnachten ist das große Fest der Menschen“, sagte Itschi. „Da hat jeder einen von uns im Wohnzimmer stehen; und wenn wir Glück haben, werden wir auch bald bei den Menschen sein. Ich freue mich jedenfalls schon darauf.“

„Was feiern die Menschen denn?“, wunderte sich Naddel. Er hatte noch nie etwas von Weihnachten gehört.

„Das weißt du nicht?!“, sagte Itschi überrascht. „Na uns natürlich, die Tannenbäume.“

Das war Naddel neu. Er bewunderte Itschi, weil der immer so viel wusste.

 

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